Wandern an der innerdeutsche Grenze – Rundwanderweg entlang des Mechower Sees

Im September 2020 war ich mal wieder in meiner alten Heimat Lübeck (Schleswig-Holstein) unterwegs. Schließlich wohne ich bereits seit dem Jahr 2011 im schönen Unterfranken. So besucht man doch gerne seine Familie und Freunde. 

Aber statt nur den ganzen Tag mit Kaffee und Kuchen bei der Großfamilie zu sitzen, habe ich auch dort recht viele kleine Abenteuer erlebt. Unter anderem eine schöne Rundwanderung um den Mechower See. Aber nicht ohne einem bestimmten Grund wollte ich mir dort dieses Gebiet anschauen. 

Bereits Wochen vor meinem Urlaub fing ich mit der Planung an. Schaute bei Pinterest nach, was ich noch so alles rund um Lübeck erkunden kann, welches ich selbst noch nicht kenne. So bin ich schließlich auf einen tollen Blogbericht von “North Star Chronicles” gestoßen, der über einen Rundwanderweg entlang der innerdeutschen Grenze berichtet. 

Ich selbst bin bereits im Jahr 1986 zur Welt gekommen. Somit stand die damalige Mauer bis zu meinem 3. Lebensjahr. Aber ganz ehrlich: Kannst du dich noch an etwas aus dieser Lebenszeit erinnern? Bei mir sind zumindest alle Erinnerungen weg, und so kann ich nur berichten, was man Eltern mir erzählt haben:

„Wir haben zu dieser Zeit in dem Stadtteil, wo die innerdeutsche Grenze war, Zeitungen ausgetragen. Du warst schon immer ein recht aktives Kind gewesen und bist seit deinem 1. Lebensjahr immer nur gelaufen. Wenn wir mal einen Moment dich nicht im Blick hatten, kam sofort die Angst hoch, dass du dich zu nah an der Grenze befindest.“

Somit muss ich noch etwas einwerfen, wenn du nicht selbst aus dieser Gegend kommst. Lübeck hat sich noch im Westen befunden, jedoch die Dörfer und Städte im Osten gehörten schon zur DDR. Und ja, wir hatten zwar eine Mauer, aber nicht so eine wie in Berlin. Diese Mauer bestand aus Maschendrahtzaun. Und alle paar Meter stand ein Wachturm. Dass da meine Eltern Angst um mich hatten, ist wohl nur verständlich. 

Und somit stand das kleine Abenteuer für diesen Tag fest:
Es ging an den Mechower See, mit einer erhofften guten Wanderung. 

Wo liegt der Mechower See?


Da ich dir eben bereits schon erzählt habe, dass ich ursprünglich aus Lübeck komme, könnte man denken, dass sich der Mechower See auch dort in der Nähe befindet. Ja und nein… Er liegt schon 23 Kilometer von Lübeck entfernt. Wir haben somit für eine Autofahrt etwas mehr als eine halbe Stunde gebraucht. 

In der näheren Umgebung befindet sich die Kleinstadt Ratzeburg. Die sich auch ideal für eine Tagestour eignet. Vielleicht schaust du dir auch diese Stadt nach der Wanderung etwas genauer an. Ich kann es dir nur empfehlen. Besonders, wenn du entlang der Innstadt an der jeweiligen Wassergrenze entlang wanderst, bzw. spazieren gehst. 

Für den Start dieser Wanderung haben wir uns für die kleine Gemeinde Schlagsdorf entschieden. Dort findest du nämlich ein kostenloser, großer Parkplatz, sowie Wanderschilder mit den entsprechenden Routen. Mit anderen Worten: Ein idealer Startpunkt für diesen Rundwanderweg

Die Besonderheit von Schlagsdorf


Doch bevor du mit dieser historischen Wanderung beginnst, könntest du auch vorher noch einen Blick in das Museum werfen. Im “Grenzhus” erfährst du alles über die damalige Zeit in der DDR, sowie Geschichten, die sich hier an der innerdeutschen Grenzen abgespielt haben.

Meine Eltern und ich hatten uns jedoch erst für die Wanderung entschieden. Somit blieb für uns im Anschluss keine Zeit mehr, einen Blick ins Museum zu werfen. So ist meine Empfehlung für dich: Plane einen “ganzen Tag” ein, besuche erst das Museum, und gehe dann entlang der innerdeutschen Grenze. 

Bei der Wanderung kommst du auch am Außenbereich des Museums vorbei. Da wir nun eben keine Eintrittskarte hatten, konnten wir nur von außen das Betrachten, was wir sahen. Und das hat mich schon regelrecht zum Staunen gebracht. 

Dort siehst du den Grenzzaun, wie er auch gesichert ist, um ja keine Flucht zu ermöglichen. Außerdem einen Wachturm, den du wohl auch von Innen anschauen kannst. (Gerade da ärgere ich mich, dass wir keine Eintrittskarte hatten.) Teile der Berliner Mauer stehen dort, um dir einen Eindruck zu verschaffen, wie es wohl in dieser großen Stadt aussah. Aber auch die Grenzzäune im Wasser, oder auf freier Fläche unter dicken Gras, verschaffen dir eine Gänsehaut. 

Sich nun vorzustellen, wie diese Menschen hier gelebt haben, oder sogar auch versucht haben zu flüchten – kaum machbar. Wenn man nicht selbst in dieser Zeit gelebt hat, ist diese Vorstellung nur sehr schwer. Da man selbst nicht genau fühlen kann, wie diese Menschen Angst hatten, Verzweifelt waren, oder im Allgemeinen ihre Gedanken zu diesem ganzen Geschehen war. 

Nur Bruchteile davon, mit Zeitungsausschnitten, Berichten von Zeugen, etc. … findest du dann anschließend am Rundwanderweg. Dort stehen immer wieder vereinzelt ein paar Infotafeln zur damaligen Zeit, und ggf. auch zur Geschichte, die sich gerade an diesem Standort abgespielt haben. Ich weiß, als Wanderer mag man nur ungern kleine Zwischenpausen. Aber ich war selbst sehr überrascht gewesen, was ich dort alles zu lesen bekam. So nimm dir ruhig die Zeit, um weiter in die Geschichte einzutauchen.

Der Rundwanderweg um den Mechower See (Mecklenburg-Vorpommern)


Der Mechower See ist auch heute noch eine “kleine Grenze” zwischen 2 Bundesländer: Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Schlagsdorf befindet sich auf der Seite von Mecklenburg-Vorpommern, und ab dort beginnt auch der 9 Kilometer lange Rundwanderweg. Ein Rundwanderweg mit einer Geschichte, aber auch mit einer atemberaubenden Natur. 

Da der Mechower See unter Naturschutz steht, kannst du einen guten Einblick in die “Wildnis” bekommen. Dichte Bäume zäunen einen breiten, weichen Wanderweg. Verschiedene Arten von Pflanzen, sowie auch Tiere kannst du hier erblicken. Nur direkt zum See führt dieser Weg nicht, da man hier den Wohnraum der Tiere nicht zerstören möchte. 

Was mir außerdem auch sehr aufgefallen ist, als wir diesen Weg entlang gingen, war eine ganz bestimmte Stimmung mit einer gewissen Stille gewesen. Man hört keine Geräusche von Menschen verursacht. Nur den Wind in den Bäumen, das Summen der Insekten, das Rascheln im Laub… Ich glaube, anders kann man wohl der Natur nicht dichter kommen. 

Durch diese Stille sind wir selbst immer mehr zur Ruhe gekommen. Blieben häufiger stehen, um einfach zu lauschen, oder zu sehen, was sich um uns befindet. Man bekommt ein Gefühl, als ob man ganz woanders wäre. 

Der Rundwanderweg um den Mechower See (Schleswig-Holstein)


Nur leider endete dieser Weg auf einem Wanderparkplatz. Die Stille wurde von den vorbeifahrenden Autos unterbrochen. Aber nicht nur die Stille, sondern auch der Wanderweg. 

Etwas orientierungslos schauten wir uns um. Wussten aber nicht so recht, wo es mit dem Wanderweg weiter ging. Erst als ich auf Komoot nach geschaute habe und sah, dass der Weg einige paar Meter entfernt weiter ging, machten wir uns auf dem Weg.

Nur leider ist dieses Teilstück nicht für uns Wanderer und Spaziergänger ausgelegt. Der Weg ging direkt auf der vielbefahrenen Straße vorbei. Als normaler Fußgänger wäre dieses wohl nur ein kleines Problem gewesen. Da wir aber mit dem Rollator meiner Mutter unterwegs waren, war das Ausweichen der Autos auf dem Grünstreifen etwas kompliziert gewesen. 

Als wir uns dann schließlich auf dem ursprünglichen Wanderweg wieder befanden, ging es leider für meine Mutter nur erschwerlich weiter. Der etwas weit gebaute Wanderweg von vorher, war nun verschwunden. Es kleines Bändchen aus Sand zeigte uns, wo es nun weiterging. So halfen wir meiner Mutter immer wieder, diesen Weg auch entlang zu gehen, statt die Wanderung abzubrechen und umzudrehen. 

Auch die Landschaft hat sich hier sehr verändert. Säumte uns noch der Weg mit einer Art “fremder Wildnis”, hatten wir hier auf diesem Teilstück sehr viel freie Fläche. Auf der einen Seite liegt der Mechower See, und auf der anderen Seite eine große Weidefläche. Auch die Informationstafeln waren verschwunden. Und ich muss gestehen: Die Freude und die Lust, die ich vorher noch gespürt habe, ging immer mehr verloren. 

So suchten wir uns neue Sachen, die wir beobachten und bewundern konnten. Denn hier befanden sich noch recht viele aktive Schmetterlinge und Libellen, die immer wieder unseren Weg kreuzten. Aber auch 3 Falken, die über der Weidefläche ihre Kreise flogen, zogen unsere Aufmerksamkeit auf sich. 

Ein kleines Picknick in Mechow


Doch mal Hand aufs Herz: Was ist eine Wanderung ohne eine schöne Rast? Sich an einem schönen Ort niederlassen, die Natur genießen und dabei sich eine kleine Stärkung gönnen? 

Nur leider schien dieses Vorhaben etwas erschwerend für uns. Denn auf dem ganzen Weg fanden wir keine Bank zum Ausruhen. Und die Picknickdecke, die mein ständiger Begleiter im Auto ist, lag weiterhin im Kofferraum. Unsere Hoffnung, in der nächsten Gemeinde ein kleines Café oder einen Bäcker zu finden, stieg immer mehr an. 

Doch die Gemeinde Mechow streiften wir wirklich nur sehr kurz. Vorbei an einem Gut, ging es auch schon fast wieder zurück in die Natur. Die einzige Möglichkeit für eine Einkehrung war ein Hofladen. Nur leider hatte er gerade Mittagspause und somit geschlossen. 

Wir blickten um uns und fanden schließlich eine Bushaltestelle, wo wir uns niederließen. Mit leckeren, selbstgebackenen Pflaumenkuchen, sowie unseren Getränken, verweilten wir hier eine ganze Weile. 

Der Aussichtsturm und die Grenzlinie


Nach dieser kleinen Stärkung gingen wir den Rundwanderweg weiter. Liesen Mechow hinter uns, und begaben uns wieder in die Wildnis. Und was wir leider nicht vorher wussten: Dass wir nur ein paar Schritte, vor unserer kleinen Rast, weiter gehen mussten, um einen tollen Platz direkt am See zu haben.Eine Holzbank, mit einem Blick über den See, lud hier regelrecht zum Verweilen ein. 

Somit meine kleine Empfehlung für dich: Falls du ebenfalls diesen Wanderweg gehen solltest und auch in Schlagsdorf beginnst, gönne dir hier kurz nach Mechow eine kleine Auszeit. Genieße die Landschaft und tanke an diesem Ort neue Energie.

Ein klein wenig enttäuscht davon, gingen wir aber trotzdem unseren Weg weiter. Und nach ein paar weiteren Schritten, kamen wir auch an einem Aussichtsturm vorbei. So laufe nicht einfach dran vorbei, sondern besteige den Turm und verschaffe dir somit einen schönen Überblick über die Landschaft. Denn zu einem Teil kannst du auch recht gut auf den Mechower See schauen. Und wer weiß, welche Vögel dort auf der Sandbank sich ausruhen. 

Nach dieser tollen Aussicht war es dann nicht mehr weit, bis wir wieder in Schlagsdorf waren. Doch auf diesem Wegabschnitt kamen wir noch an einem weiteren Highlight dieser Runde vorbei. Denn solltest du beim Gehen mal den Blick nach unten richten, wird dir an einer bestimmten Stelle etwas ganz Besonderes auffallen. Kurz nach einer kleinen Überquerung eines Baches, ist im Boden die Grenzlinie sichtbar. Eine Metallplatte, die zwar unscheinbar wirkt, aber eine große Geschichte mit sich bringt. 

Und gerade dort wird es innerlich noch einmal deutlich, wo man selbst gerade entlang wandert. An einem Ort, der wohl Dank der Wiedervereinigung so nicht geben würde. Statt eine wilde Natur, würdest du hier Zäune und Grenztürme sehen. Ein Ort, der wohl weiterhin voller Angst, Traurigkeit, aber auch Hoffnung wäre. 

Mein persönliches Fazit dieser Wanderung


Auch wenn ein Teilabschnitt des Weges für den Rollator meiner Mutter etwas erschwerend war, gefiel sie uns trotz sehr. Die Natur brachte die Entschleunigung, die Stille die innere Ruhe. Mal hier, mal dort, erfreute sich das Wanderherz an der Pflanzen- und Tierwelt. Aber auch der geschichtliche Aspekt darf man hier nicht unterschätzen. 

Auch wenn wir persönlich keine schöne Rast mitten in der Natur hatten, oder sogar in einem Café, tat uns die kleine Pause in der Bushaltestelle recht gut. Sobald man diesen Rundwanderweg mit mehreren Leuten geht, kann man sich dabei recht gut austauschen, was man bisher schon alles von den Informationstafeln erfahren hat. Aber auch als Single-Wanderer, tut eine kleine Rast zum Sortieren der Gedanken recht gut. 

Meine persönlichen Highlights dieser Runde war unter anderem der Außenbereich des Grenzhus, sowie der Aussichtsturm und die Grenzlinie. Würde ich noch im Norden leben, hätte ich auf jeden Fall an einem anderen Tag noch das Museum aufgesucht. Aber wer weiß, vielleicht fahre ich dort nochmal hin, und lasse mir den Zauber der Natur noch einmal auf mich wirken.