Sonnenaufgang in den Weinbergen – Erzählung eines kleinen Abenteuers

Vielleicht kennst du auch dieses Phänomen: Die ganze Woche lang klingelt der Wecker recht früh. In der Woche kommt man kaum aus dem Bett und man denkt sich: „Wieso kann ich nicht einfach weiter schlafen!“ Doch am Wochenende, wo man rein theoretisch ausschlafen kann, ist man von sich aus schon früh wach. Und meistens zu einer Zeit, wo der Wecker geht. 

Genau unter diesem kleinen „Problem“ leide ich meistens am Samstag. Unter der Woche geht mein Wecker täglich um 5 Uhr morgens. Meistens schaffe ich es gleich voller Tatendrang aus dem Bett zu springen. Aber es gibt auch viele Tage, wo ich erneut die Schlummerfunktion meines Handys benutze. Und dann nicht nur einmal. Meistens vergeht dann eine halbe Stunde, bis ich wirklich mal die Füße unter der Decke hervor nehme und sie auf dem kalten Boden abstelle. 

Doch dann kommt das Wochenende. Meistens nehme ich mir am Freitagabend sogar noch vor, länger aufzubleiben. Um eventuell noch eine Radtour oder Wanderung zu unternehmen. Vielleicht sogar in Kombination mit einem tollen Geocache, oder einem tollen Fotoshooting des Sonnenunterganges. Doch ja, auch der Freitagabend möchte nicht von meinen Gewohnheiten abweichen, so dass ich dann doch verhältnismäßig „früh“ ins Bett gehe. 

Der Sonnenaufgang am August-Wochenende 2020


So kommt es dann auch, dass ich am Wochenende sehr früh, und vor allem von alleine ohne Wecker wach werden. Meistens begebe ich mich dann ins Wohnzimmer, wo ich mit einem Kaffee noch etwas in meiner aktuellen Lektüre lese, oder im Internet nach neuen Abenteuerideen suche. Doch an diesem Morgen, Anfang August 2020, wollte ich etwas anderes. 

Irgendwie hatte ich es satt, planlos in den Tag zu starten. So kam mir eine Podcast-Folge von Christo Förster in den Kopf. Dort erzählte er von den Sonnenaufgängen und das damit verbundene „Erwachen der Natur„. Er berichtete auch von einem weiteren Mitglied seiner Community, dass dieser sich einfach anzog, einen Zettel mit der Botschaft „Bin draußen um den Sonnenaufgang zu genießen“ für seine Frau schrieb, und einfach los ging. 

Ein kleines Abenteuer, welches mir schon lange im Kopf herum geisterte. Aber nie den Mut gefunden habe, es auch auszuführen. Mittlerweile frage ich mich: Wieso eigentlich? Denn ganz ehrlich: So schlimm war es im nachhinein gar nicht gewesen. 

So schaute ich schnell mal nach, wann hier in Markt Einersheim (Unterfranken/Bayern) die Sonne aufging, und merkte schnell: so viel Zeit bleibt mir gar nicht mehr. Laut dem Internet sollte sie schon um 6 Uhr am Himmel erscheinen – und es war schon 5.30 Uhr. Also schnell in ein paar Klamotten, die hier noch rumlagen, die Haare provisorisch zu einem Dutt gebunden und ab in die Schuhe. 

Natürlich hätte ich den Sonnenaufgang auch hier in meinem kleinen Dorf bestaunen können. Doch ich hatte eine andere Idee im Kopf. Um unsere kleine Gemeinde herum befinden sich neben den üblichen Ackerfeldern und Wiesen, auch eine Reihen von Weinbergen. Und mitten in diesen Weinbergen, auf einer kleinen Erhöhung, steht das Wengertshäusla von Markt Einersheim. 

Mittlerweile wurde dort vor ein paar Jahren auch eine richtige kleine Aussichtsplattform gebaut, so dass man einen tollen Blick in die Weite hat. Diesen Anblick, den wollte ich gerne mit einem traumhaften und wolkenfreien Sonnenaufgang genießen. 

Und so kam es, dass ich regelrecht laufend zu dieser Aussichtsplattform gerannt bin. Dabei muss ich gestehen, es war körperlich eine reine Qual gewesen. Gerade erst wach geworden, noch vor dem ersten Kaffee einen Sprint hinzulegen… Mein Körper fand diese Idee nicht so gut, so dass ich fast keuchend am gewünschten Ort ankam. 

Doch ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Es dauerte zwar etwas länger mit dem Sonnenaufgang, als es im Internet stand. Aber die Stille um einem herum, zu sehen, wie die Natur und der Mensch sich noch in Ruhe befindet, war faszinierend. Erst als die ersten Sonnenstrahlen hinter dem Berg hervor kamen, fing auch langsam an, die Natur zu erwachen. 

Ein kleines Rascheln in den Büschen, das leise, langsame Gezwitscher einiger Vögel, bis hin zum morgendlichen Gruß des Dorfhahnes. Je weiter die Sonne stieg, um so lauter wurde es um einem herum. Irgendwann verstummte der Hahn, und wie aufs Kommando fing das Summen der ersten Fliegen und Bienen an. 

Ein Augenblick, den ich leider nicht mit der Fotografie festhalten konnte. Ein Augenblick, den ich so leider nicht mit dir teilen kann. Dafür ein einzigartiges Erlebnis für mich. Und sobald ich meine Fotos von diesem traumhaften Sonnenaufgang anschaue, höre ich innerlich wieder alles. Erst die Stille, bis hin zum regelrechten Trubel in der Natur. 

Nach 1 ½ Stunden kam das Knurren meines Magens dazu. So machte ich mich dem Heimweg auf, um ein leckeres Frühstück zu genießen. Dieses mal aber eher gemütlich, um noch die letzten Eindrücke des Morgens wahrzunehmen. Erst mit einem Kaffee in der Hand erzählte ich meinem Freund von diesem kleinen Abenteuer. Welcher dann unglaubwürdig den Kopf schüttelte und meinte: Ich sei verrückt. 

Und ja, genau diese Aussage bestätigt es für mich: Es war ein kleines, persönliches Abenteuer gewesen, welches ich so schnell nicht vergessen werde. Ein Abenteuer, welches ich gerne wiederholen werde. Denn durch diesen Morgen fand ich eine weitere Leidenschaft, der ich gerne weiterhin nachgehen würde: Die Fotografie des Sonnenaufgangs. 

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