Franken,  Wandern

Glühweingenuss auf dem Iphöfer Kalbberg

Ein neues Jahr mit neuen Herausforderungen und Abenteuern liegt nun vor uns. 365 Tage, wo wir versuchen können, mit kleinen Mikroabenteuer draußen in der Natur dem Alltag zu entfliehen. Aber auch große Abenteuer können dieses Jahr prägen. Alles, was wir tun müssen, ist einfach nur machen. 

So hieß es für mich: Ab in die Wanderschuhe, den Rucksack schultern und los ging es zur ersten Tour im Jahr 2023. Doch dieses Abenteuer sollte ich nicht alleine bestreiten. Über die Feiertage waren meine Eltern aus dem Norden zu Besuch gewesen, so dass mich mein Vater auf dieser Wanderung begleitete.

Inhaltsverzeichnis

🔸 Der Iphöfer Rundwanderweg “i4” – Kalbbergweg
🔸 Auszeit auf dem Winzerhof Düring
🔸 Schmale Pfade entlang des Wehrbachs
🔸 Waldkindergarten und der Duft von geschlagenem Holz
🔸 Ein Buntspecht auf dem Weinberg
🔸 “Glühwein-”Schaukeln mit Aussicht
🔸 Flurbereinigungsdenkmal und der Schwanberg
🔸 Unser persönliches Fazit zum Abenteuer

Der Iphöfer Rundwanderweg „i4“ – Kalbbergweg

Strecke: 5,40 Kilometer
Gehzeit ohne Pausen: 1 ½ Stunden
Wegmarkierung: schwarzes “i4” auf gelbem Hintergrund

Wegbeschaffenheit: schmale Pfade und Waldwege, ein breiter forstwirtschaftlicher Weg, und in der Weinanlage geteerte Wege

Highlight auf der Tour: Wehrbachsee, Fieberbrünnlein, Aussichtspunkt mit einer Schaukel in Richtung Iphofen, Flurbereinigungsdenkmal

Auszeit auf dem Winzerhof Düring

Über die Feiertage, sprich Weihnachten und Silvester, musste ich im letzten Jahr arbeiten. Ein Urlaub bei der Familie an der Ostsee stand somit erst gar nicht zur Debatte. Aber warum muss ich eigentlich immer zu meiner Familie nach Schleswig-Holstein fahren? Wieso feiern wir Silvester einfach nicht hier unten im schönen Franken?

Gerade über Silvester suchen meine Eltern immer Ruhe und die Stille. Das heißt nun aber nicht, dass wir hier in Franken, besonders in der Silvesternacht, es nicht auch ordentlich krachen lassen. Doch gerade vor diesem Lärm der einzelnen Böller suchten meine Eltern einen Zufluchtsort – und diesen fanden sie auch auf dem Winzerhof Düring bei Iphofen.

Umgeben von den Weinanlagen Iphöfer Kronsberg und dem Iphöfer Kalb, sowie dem Naturpark Steigerwald, ist man gefühlt weit weg von der Zivilisation. Ein idealer Ort, um zu entschleunigen und mit der Kraft der Natur neue Energien zu tanken. So ist es auch kein Wunder, dass der Wanderparkplatz Ringsbühl sich gleich nebenan befindet.

Schmale Pfade entlang des Wehrbachs

Am Wanderparkplatz stellte ich mein Auto ab, wo bereits mein Vater schon auf mich wartete. Von hier aus sollte es losgehen: Unsere erste Wanderung im neuen Jahr. Da ich selbst die Route schon kannte, war ich gespannt, wie es meinem Vater gefallen wird. Ganz besonders oben auf dem Kalbberg, wo seit ein paar Jahren eine Schaukel mit Weitblick steht.

Wir gingen zunächst auf schmalen Pfaden am Wehrbachsee entlang. Im Sommer ist es hier sehr schattig durch die dichten Bäume und Sträucher, doch im Winter ist die Landschaft eher kahl, so dass wir einen guten Blick zum Winzerhof hatten. Mein Vater kam auf die Idee, meine Mutter (die wegen ihrer Gehbehinderung in der Ferienwohnung blieb) anzurufen. Als sie etwas verwundert auf der Terrasse stand, winkten wir ihr entgegen. Dies führte nicht nur bei ihr zu einem Lächeln im Gesicht.

Als wir uns auf der anderen Seite des Wehrbachsee befanden, ging es über eine hölzerne Brücke in den Wald hinein. Wer nun denkt, dass die winterliche Landschaft hier langweilig ist, hat sich dabei sehr geirrt. Zu entdecken gibt es hier so einiges. Sei es das Rascheln im Laub, oder die Vogelstimmen in den Baumkronen. So manches Mal blieb mein Vater stehen, schaute hoch zum Himmel und versuchte herauszufinden, wo der Sänger des Vogelkonzerts herkam.

Der Wehrbachsee hat nicht ohne Grund seinen Namen, denn schließlich mündet in ihm der Wehrbach. Diesem folgten wir auf recht nassen, teilweise matschigen Pfaden. Gerade im Frühling ist dieser Abschnitt ein Highlight für jeden Genussmensch, da es hier zahlreichen Bärlauch zu pflücken gibt. Doch im Winter schlummert diese Pflanze noch im Erdreich, sodass wir mit leeren Händen weiter gingen.

Bevor es nun weiter auf einem breiten forstwirtschaftlichen Weg auf dem Kalbberg ging, bogen wir einmal kurz zur Seite ab. Ein Schild mit dem Hinweis “Fieberbrünnlein” weckte unsere Aufmerksamkeit, so dass wir dem schmalen Pfad zwischen den Bäumen folgten.

Wir kamen an einer kleinen Nebenquelle heraus, wo mich das klare Wasser magisch in seinen Bann zog. Ich konnte bis zum Grund sehen und fragte mich, wie tief es hier wohl sein mag: eine Armlänge, oder doch eher Beinlänge? Ich probierte es lieber nicht aus, zumal wir aktuell noch einen frischen Winter haben, aber auch um die Natur hier nicht zu beschädigen.

Waldkindergarten und der Duft von geschlagenem Holz

Zurück auf dem Forstweg kamen nun die Höhenmeter auf uns zu. Schritt für Schritt ging es Richtung Kalbberg hinauf. Bereits nach ein paar Metern streiften wir einen Waldkindergarten. Ich muss schon sagen, dass ich da etwas neidisch auf die Kinder bin, die hier ihren Spaß draußen in der Natur haben. Natürlich gab es auch in den 80ziger Jahren Waldkindergärten, doch diese waren wenig populär und eher verhöhnt gewesen.

Auch wenn ich selbst in einem recht naturnahen Kindergarten untergebracht war, wünschte ich mir im Nachhinein, bereits meine frühe Kindheit draußen im Wald verbracht zu haben. Doch bevor man mehr ins Grübeln kam, wie das Leben hätte aussehen können, gingen wir den Weg weiter voran.

Auch der frische Duft der geschlagenen Baumstämme am Wegesrand lenkte schnell die Gedanken ab. Besonders mein Vater liebte es, hier einmal tief einzuatmen. Mir wurde in diesem Moment bewusst, wie dankbar und glücklich ich sein kann, nicht in einer Großstadt zu leben, sondern die Natur direkt vor der Haustür zu haben. Hätte mein Vater mich nicht auf diesen Duft aufmerksam gemacht, wäre er mir durch meine regelmäßigen Wanderungen durch Waldgebiete nicht bewusst gewesen. 

Eher im Gegenteil: Durch die Gewohnheit des Duftes in einem Wald würde mir dieses erst auffallen, wenn er fehlen würde. Erst da merkte ich, wie ich meine Achtsamkeit gegenüber der Natur wieder vermehrt schulen muss, um eben auch an solchen kleinen, ganz normalen Dingen, die Freude zu spüren.

Ein Buntspecht auf dem Weinberg

Nachdem wir den Wald passierten, kamen wir schließlich an der Weinanlage Iphöfer Kalbberg heraus. Der Anstieg blieb uns zwar weiterhin nicht erspart, doch während sich der Wald auf der einen Seite von uns befand, konnten wir auf der anderen Seite bereits eine tolle Aussicht genießen. Zusammen mit den ersten Sonnenstrahlen im neuen Jahr begann die innere Freude nur zu sprühen, und mit jedem Schritt kamen wir immer mehr zur inneren Ruhe.

Wäre da nicht ein Buntspecht gewesen, der wohl nur sein Gebiet beschützen wollte. Er dachte sich vielleicht auch: Was machen denn Menschen hier? Denn er schrie uns regelrecht an. Mein Vater gönnte sich dabei den Spaß, ihm zu antworten, welches natürlich dem Specht nur noch mehr aufregte. Eine ganze Weile ging dieses Spiel von statten, bis wir schließlich auf dem Aussichtspunkt nach Iphofen ankamen. Vielleicht war auch hier sein Revier zu Ende gewesen, oder er merkte, dass die Aufmerksamkeit meines Vaters ihm nicht weiter galt.

“Glühwein-”Schaukeln mit Aussicht

Angekommen am Aussichtspunkt empfing uns eine traumhafte Weite über die Region: Von Iphofen bis nach Kitzingen hin (je nach Wetterlage teilweise bis nach Würzburg hin).

Bereits für diesen Weitblick hat sich die heutige Wanderung gelohnt. Doch ich wäre ja nicht ich, wenn ich daraus nicht auch noch ein Mikroabenteuer machen würde. Schließlich wollte ich hier oben auf dem Kalbberg meinen Vater mit einem warmen Glühwein überraschen (dabei dachte ich auch, dass wir von den Temperaturen eher einen kalten Jahreswechsel hätten, statt ihn so frühlingshaft warm). 

Bereits im Vorfeld habe ich diese Tour geplant und habe dementsprechend auch meinen Wanderrucksack gepackt. Mein Gaskocher mit der entsprechenden Kanne war mit dabei, sowie eine Flasche Glühwein und frische Quarkbällchen vom Bäcker. Mit dieser kleinen Zeremonie wollte ich zusammen mit meinem Vater auf ein abenteuerliches Jahr anstoßen.

Während ich den Glühwein auf dem Gaskocher erhitzte, ging mein Vater zum nächsten Highlight auf dieser Tour: Die Schaukel mit Ausblick. Während ich auf der Rastbank saß und immer wieder überprüfte, ob der Glühwein schon warm genug war, fing mein Vater mit einem breiten Lächeln im Gesicht das Schaukeln an. Als ich zu ihm rüber schaute sah er recht kindlich aus, was aber auch daran lag, dass er immer wieder “uiiii” schrie, sobald er sich Anschwund holte. Und mal ehrlich: Wer sagt  denn, dass wir Erwachsene nicht auch unseren kindlichen Spaß haben dürfen?

Als der Glühwein die richtige Temperatur hatte, goss ich ihn in den entsprechenden Bechern und ging ebenfalls zur Schaukel. Ich setze mich neben meinem Vater, genoß den Ausblick und stieß mit dem warmen Glühwein auf das Jahr 2023 an: “Auf viele weitere, tolle Abenteuer draußen in der Natur – sei es hier in Franken, in Schleswig-Holstein, oder dem restlichen Deutschland.

Flurbereinigungsdenkmal und der Schwanberg

Nach unserer kleinen Stärkung ging es auf dem Iphöfer Rundwanderweg “i4” weiter. Erneut mussten wir das Revier des Buntspecht passieren, wo er sich wieder mit meinem Vater um die Wette stritt. Doch als wir immer weiter den Weinberg nach unten gingen, entfernten sich auch die Rufe des Spechtes. 

Wir kamen so am Flurbereinigungsdenkmal in Form eines Kreuzes vorbei. Bereits hier war ich vor ein paar Jahren das erste Mal mit meinem Vater gewesen. Damals machten wir Fotos mit dem Titel “Gipfelstürmer in Franken” – und auch dieses Mal wollte mein Vater wieder so ein Beweisfoto von mir haben. Kann aber auch daran liegen, dass er sich in der Zwischenzeit einen etwas längeren Bart wachsen ließ und nun das Foto aktualisiert haben möchte.

Auf dem Weinberg selbst ging es für uns immer weiter bergab, so dass wir ahnen konnten, dass sich das Ende nähert. Bei herrlichem Sonnenschein starteten wir am Wanderparkplatz, doch nun zogen immer mehr Wolken am Horizont auf. Dementsprechend verwandelte sich die Landschaft um uns herum in ein Kontrastspiel aus Licht und Schatten. Besonders dann, als der Schwanberg ins Blickfeld kam.

Seit dem ich hier bei Iphofen wohne, verliebte ich mich regelrecht in den Schwanberg. Wenn ich ihn schon von weitem sehe, bekomme ich ein Lächeln ins Gesicht, und eine Art wohlige Heimatliebe breitet sich in mir aus. Auch meine Wanderungen auf ihm selbst fühlen sich recht magisch an – und es vergeht nie ein Abenteuer, wo ich etwas Neues bei oder auf ihm entdecke, und so mich weiterhin in ihn verliebe.

So wie auch in diesem Moment, als die Sonne den Steigerwald beleuchtete. Verbunden mit dem nahen Blick der kahlen Weinreben vor uns, thront er majestätisch am Horizont. So als ob er sagen möchte: “Komm zu mir, und mach dein Abenteuer wieder auf mir.” Der Anblick war für mich einfach nur traumhaft gewesen.

Unser persönliches Fazit zum Abenteuer

Mit einem letzten Blick vom Weinberg aus Richtung Iphofen ging es für uns ein letztes Mal bergab. Wir kamen wieder am Wehrbachsee heraus, wo wir vor ein paar Stunden unsere Wanderung gestartet haben. Am Wanderparkplatz verabschiedeten wir uns, da mein Vater zurück zum Winzerhof ging. Doch vorher haben wir uns nochmal kurz ausgetauscht, wie wir unser Abenteuer so fanden.

Auch wenn die Strecke mit knapp 5 Kilometer relativ kurz ist, hat dieser Wanderweg doch seinen gewissen Charme. Allein der Wechsel zwischen Walderlebnis und Weinberg wirkt magisch: die schmalen Pfade zwischen den Bäumen, sowie die Weitsicht zwischen den Weinreben. 

Ein besonderes Highlight ist auf jeden Fall die Schaukel mit dem Weitblick Richtung Iphofen. Ein Ort, der zu einer Rast einlädt und wo man die Seele baumeln lassen kann. Ob nun mit einem Glühwein (wie in unserem Abenteuer), oder mit einer kleinen Brotzeit – hier kann man einfach nur entspannen und genießen. 

Mein Vater ist sehr dankbar darüber, dass wir zusammen diese Wanderung bestritten haben. Da uns fast 600 Kilometer trennen, genießt er jedes Abenteuer mit mir. Doch ich bin ehrlich: Ich glaube, mit so einem Mikroabenteuer ist er wohl noch nie in ein neues Jahr gestartet. Falls doch, ist es wohl schon länger her. 

In diesem Sinne freue ich mich auf das Abenteuerjahr 2023 und bin gespannt, wohin mich mein Weg führen wird, und was ich alles sehen und erleben darf. Der Start dafür ist mir auf jeden Fall gelungen, auch wenn ich selbst diesen Weg bereits gegangen bin, habe ich ihn mit einer Kleinigkeit wieder etwas aufgepeppt – schließlich kann nicht jeder sagen, dass er bei frühlingshaften Temperaturen einen Glühwein auf dem Iphöfer Kalb getrunken hat.

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